Auf Beschluss der ehemaligen schwarz-gelben Landesregierung soll das Lehramtsstudium in NRW zum kommenden Wintersemester grundsätzlich reformiert werden. Ein entscheidender Punkt der Reform ist, dass das Lehramtsstudium nach dem gleichen Muster auf das Bachelor-Master-System umgestellt werden soll, das sich bei den bereits umgestellten Studiengängen als grundsätzlich lern- und wissenschaftsfeindlich erwiesen hat. An Hochschulen, die bereits einen Modell-BaMa-Studiengang haben, wird das Lehramtsstudium erneut umgestellt. Außerdem soll ein Teil der Bezahlung des Referendariates entfallen.
Dagegen haben die Studierenden der GEW NRW und die junge GEW NRW eine Unterschriftenkampagne für ein Moratorium des entsprechenden Gesetzes gestartet. Ein Moratorium ermöglicht, auf Grund der Erfahrungen sowohl mit den klassischen als auch mit den Bachelor-Master-Studiengängen eine sinnvolle Studienreform zu erarbeiten.
Alle, auch nicht-NRWler, können unten online unterschrieben oder Unterschriftenlisten zum Selbersammeln ausdrucken und einsenden an:
jungeGEW Köln
Hans-Böckler-Platz 1
50672 Köln
Die Kampagne wird unterstützt von: AStA Uni Bochum, AStA Uni Köln, StAVV (Studierendenausschuss der Vollversammlung der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Uni Köln), sds Köln, Juso-Hochschulgruppe Köln
BA/MA-Umstellung des Lehramtes und Lohnkürzungen stoppen!
– Für ein Moratorium der Reform des Lehrerausbildungsgesetzes
Die Lehramtsausbildung soll in NRW zum Wintersemester 2011/2012 auf BA/MA umgestellt werden, obwohl sich BA/MA nicht bewährt hat. Entgegen aller Versprechungen haben die neuen Studiengänge geführt zu: erhöhten Abbrecherquoten, wissenschafts- und lernfeindlichem „Bulimie-Lernen“ statt kooperativem und erfreulichem Lernen und Forschen, weniger Auslandsaufenthalten und Erschwernissen beim Wechsel von Studienort oder -fach.
BA/MA ist, obwohl teilweise durchaus anderes verfolgt wurde, in seinen Grundsätzen Teil der neoliberalen Bildungsreformen der letzten Jahre. Die Lerninhalte werden austauschbar und echtes Erkenntnisinteresse wird abtrainiert. Die Lernenden sollen dazu erzogen werden, in vorauseilendem Gehorsam in den Verhältnissen zu funktionieren, anstatt sie in Frage zu stellen und weiter zu entwickeln.
Die geplante Lehramtsreform ist insofern ambivalent, als sie nicht nur aus der BA/MA-Umstellung besteht, sondern gleichzeitig folgende sinnvolle Änderungen umfasst:
- Ausbau aller Lehramtsstudiengänge auf den Umfang des Lehramtes Gym/Ge
- Engere Verzahnung von Theorie und Praxis, unter anderem indem das erste Halbjahr des Referendariats vorgezogen und als „Praxissemester“ in das Studium eingeschoben wird
- Ausbau der Fachdidaktik und engere Verbindung der Fachdidaktik mit den Erziehungswissenschaften
- Deutsch als Fremdsprache für alle
Das Anliegen einer geerdeteren Lehramtsausbildung, die fachlich und pädagogisch auf höherem Niveau stattfindet, wird leider durch das BA/MA-Korsett und die Rahmenbedingungen torpediert:
- Das Praxissemester wird nicht bezahlt. Somit entfällt faktisch die Bezahlung für ein Halbjahr des Referendariats.
- Die Organisation des Praxissemesters ist hinsichtlich der Betreuung der StudentInnen und der Kooperation zwischen Schule und Hochschule unklar.
- Es entsteht eine unbezahlte Übergangszeit nach dem Referendariat.
- Einschränkungen der Fächerkombinationen sind geplant.
- Die engere Verbindung von Fachdidaktik und Erziehungswissenschaften wird vielfach missbraucht, um die in der Tradition von Aufklärung und Humanismus stehende Pädagogik zugunsten einer Bildungswissenschaft zurück zu drängen, die überwiegend auf Arbeitsmethoden und Anpassung setzt. Die Reflexion des Verhältnisses zwischen LehrerInnen, SchülerInnen und Umwelt und die Entwicklung eigener Maßstäbe für die Gestaltung dieses Verhältnisses wird durch das Trainieren von Methoden ersetzt, die künftigen LehrerInnen helfen sollen, ihre Schüler gemäß wirtschaftsorientierter Bildungsstandards zu trimmen.
- Die Verschulung und die Reproduktion vorgegebener Wissens- und Methodenhäppchen verhindert sowohl die Einheit von Lehre und Forschung als auch die Einheit von Theorie und Praxis, die für die Pädagogik maßgeblich sind. Künftige LehrerInnen lernen dadurch zunehmend, theoretisch auswendig gelernte Methoden algorithmisch in der Praxis anzuwenden; Rückkopplung und Reflexion werden systematisch abgeschnitten.
Deshalb verlangen wir ein Moratorium der bisherigen Lehramtsreform, um die Erarbeitung einer sinnvollen Lehramtsreform zu ermöglichen, die mindestens folgenden Forderungen genügt:
- Keine Einsparungen zu Lasten angehender LehrerInnen: Vergütung des Praxissemesters mindestens in Höhe des BAFöG-Höchstsatzes, entsprechend höhere Vergütung im Referendariat
- Organisation des Praxissemesters, die den Lebensstandard und die sozialen Beziehungen der Studierenden nicht gefährdet
- Keine Modularisierung
- Kooperation statt Konkurrenz und Selektion: Keine Selektion durch das Eignungspraktikum, gesetzliche Garantie eines vollen Studiums bis zum Referendariat ohne zwangsweisen Studienortwechsel
- Humanistisch-pädagogische Grundausrichtung: Bildung muss allen ermöglichen, sich durch gemeinsames Gestalten der Welt zu entfalten