Für demokratische, zivile und soziale Hochshulen

Angesichts der laufenden Novellierung des Hochschulgesetzes und der zaghaften Studienreförmchen, die gerade an vielen Hochschulen im Rahmen der Reakkreditierungen laufen, hat der LASS ein Eckpunktepapier für eine fortschrittliche Hochschulreform erarbeitet und zum Landesgewerkschaftstag im April eingebracht.

Darin heißt es:

Was an der Uni abverlangt wird, ist weder abzuarbeiten noch hinzunehmen: Hinter der Elite-Fassade herrscht Gerangel um knappe Seminarplätze, das Ba/Ma-Studium ist ein restriktiver, prüfungslastiger Hindernislauf. Die automatisierten Seminarzuteilungsmaschinerien verschärfen das Problem zusätzlich. Studierende und prekär beschäftigte Lehrende werden mit Leistungsvorgaben und Konkurrenzbürokratie überhäuft.
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Erfreuliche Entwicklungsmöglichkeiten liegen brach, die Hochschulen erfüllen ihre gesellschaftliche Funktion, zur Verbesserung der Lebensbedingungen aller beizutragen, kaum noch und die neoliberale Ideologie steckt in der Krise. Gleichzeitig wachsen die Kritik und die Ansprüche der Hochschulmitglieder an die positive Bedeutung ihrer eigenen Arbeit, was zum Beispiel an der Zivilklauselbewegung deutlich wird.
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Vor diesem Hintergrund steht eine grundsätzliche Neubestimmung der Aufgaben der Hochschulen in Anknüpfung an die Errungenschaften von 68 an:

  • Bildungsexpansion: Wissen, das nur in Büchern steht, ist weitgehend wertlos. Aufgabe von Hochschulen ist es, maßgeblich dazu beizutragen, dass Aufklärung und Kenntnisse, wissenschaftlich begründete Argumentation, Streit- und Denkkultur, Zivilisierung, Kultur und Geschichtsbewusstsein nicht nur erhalten bleiben und sich neu angeeignet werden, sondern qualitativ und quantitativ massiv erweitert werden.

    Dazu gehört auch kritische Qualifizierung für die Berufspraxis nach dem Studium.

  • Aufklärung: Gegen Lügen, Mystifizierungen, Geheimnistuerei, inhumane Ideologie und Vorenthaltung von Möglichkeiten haben die Hochschulen die Aufgabe aufzuklären. Dafür ist es nicht nur nötig, sich überall öffentlich in Konflikte einzumischen, sondern auch, relevante Konflikte anzustoßen. Durch Freiheit der Wissenschaft von der Inanspruchnahme durch Partikularinteressen ist die dafür nötige Autonomie zu gewährleisten.

    Speziell in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften ist der Widerspruch zwischen technisch Möglichem und sinnvoll Angewandtem so groß, dass – trotz aller ungelöster Probleme – Aufklärung die zentrale Aufgabe ist.

  • Erarbeitung von Lösungen gesellschaftlicher Probleme: Hochschulen haben die Aufgabe, sich den gesellschaftlichen Problemen zu stellen und Lösungen im Interesse der Allgemeinheit zu entwickeln – dies gilt erst recht, wenn diese Antworten potenziell nicht profitabel sind oder gar Gewinne beschneiden.
  • Entwicklung: Hochschulen sind Lebens- und Arbeitsraum. Hier entwickeln sich Menschen selbstbestimmt und auf Augenhöhe durch Streiten, Lernen, Forschen und Arbeiten in solidarischem Bezug. Dafür bieten Hochschulen auch Raum für die Beschäftigung mit Themen, die in der Gesellschaft ansonsten nur wenig zur Geltung kommen.

    Hochschulen müssen Raum für die kritische Raserei des Verstandes, für die maßlos involvierte Zeitverschwendung und fürs Scheitern sein.

Die Arbeit aller Beteiligten an einer so konstituierten Hochschule ist gesellschaftlich relevant; sie braucht angemessene Rahmenbedingungen und muss angemessen finanziert werden.

Den gesamten Antrag samt konkreter Forderungen gibt es hier als PDF.